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Zeckenalarm

Kleines Tier – große Wirkung


Foto: fotolia.com/bluedesign
Die Zecke – Spinnentier, Parasit, Blutsauger – schon als Larve mit einer Größe von 0,5 mm kann sie für den Menschen zur Gefahr werden, dann nämlich, wenn die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist.

Die Zecke kann zahlreiche Krankheiten übertragen, die bekanntesten sind FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und Borreliose. Beide Krankheiten können gravierende Folgeschäden hervorrufen und die Gesundheit dauerhaft einschränken.

Da Zecken bundesweit in der Natur vorkommen und vorwiegend in den Monaten März bis Oktober, je nach Witterung sogar ganzjährig aktiv sind, ist die Gefahr eines Zeckenbefalls auch für Kindertagesstätten und Schulen ein ernst zu nehmendes Thema. Trotz oder gerade wegen der immer wiederkehrenden Thematisierung in Fachzeitschriften und im Internet herrscht Unsicherheit über die richtige Vorgehensweise, wenn betreuendes Personal bei einem in seiner Obhut befindlichen Kind eine Zecke entdeckt.

Darf das betreuende Personal die Zecke entfernen? Kann ein Entfernen rechtlich negative Konsequenzen haben? Fragen, die immer wieder gestellt werden und die beantwortet werden müssen.

Die Antworten lauten:
Das Personal darf Zecken entfernen, sofern klare Absprachen mit den Eltern getroffen wurden. Dabei sind negative Konsequenzen für das Kita-Personal grundsätzlich nicht zu befürchten.

Dem liegen folgende Überlegungen zugrunde:
Sachverständige Stellen, wie das Robert-Koch-Institut, das Kompetenzzentrum für Borreliose, der Bundesverband deutscher Internisten, der Berufsverband Kinder- und Jugendärzte – um nur einige zu nennen – sind einhelliger Meinung, dass eine Zecke schnellstmöglich nach Entdeckung zu entfernen ist. FSME-Viren können über die Speicheldrüse sofort abgesondert werden – Borrelioseerreger brauchen erheblich länger, doch steigt auch hier das Infektionsrisiko mit der Dauer des Saugvorgangs. Zudem ist häufig nicht bekannt, wann der Zeckenbefall eingetreten ist und wie lange die Zecke bereits saugt.

Eine sofortige fachgerechte Entfernung ist daher angebracht. Um rechtssicher agieren zu können, wird empfohlen, dass die Kindertageseinrichtung oder Schule mit den Sorgeberechtigten eine schriftliche Vereinbarung mit detaillierten Hinweisen zur Vorgehensweise trifft. Das Papier sollte den Sorgeberechtigten die Möglichkeit geben, ihre Einwilligung zur Zeckenentfernung durch betreuendes Personal zu erklären bzw. diesem Prozedere zu widersprechen. Die Vereinbarung ist von den Erziehungsberechtigten zu unterschreiben und wird als Anlage Teil des Betreuungsvertrages. Inhaltlich sollte die Vorgehensweise wie folgt gestaltet sein:

Grundsätzlich sind zunächst alle im Wirkungsbereich der Kindertagesstätte oder Schule erworbenen Zeckenstiche in das Verbandbuch einzutragen. Das weitere Vorgehen hängt von den Umständen sowie der Erklärung der Eltern ab:
  • Haben die Erziehungsberechtigten in die Entfernung der Zecke durch das Personal eingewilligt, ist die Zecke möglichst schnell und fachgerecht zu entfernen und die Einstichstelle zu markieren. Die Entfernung der Zecke ist in das Verbandbuch einzutragen und die Erziehungsberechtigten sind in der vorab vereinbarten Weise zu informieren.
  • Traut sich das Personal einer Kindertageseinrichtung oder einer Schule die Entfernung einer Zecke aufgrund konkreter Umstände des Einzelfalls (z. B. Zecke befindet sich an schwer zugänglichen Körperstellen und/oder im Intimbereich) nicht zu, muss dem Kind auf anderem Wege Hilfe ermöglicht werden. Die Erziehungsberechtigten sind unverzüglich zu informieren und das weitere Vorgehen ist mit den Erziehungsberechtigten abzustimmen. Sind die Erziehungsberechtigten nicht erreichbar, ist dem Kind in diesen speziellen Fällen umgehend ärztliche Hilfe zu ermöglichen.
  • Haben die Erziehungsberechtigten in die Entfernung der Zecke durch das Personal nicht eingewilligt, so sind die Erziehungsberechtigten bei Zeckenstichen unverzüglich zu informieren und aufzufordern, die Zecke umgehend selbst zu entfernen oder durch Dritte entfernen zu lassen. Auch für den Fall der Nichterreichbarkeit der Sorgeberechtigten, sollte das Vorgehen klar vereinbart werden.


Das fachpädagogische Personal hat keine negativen Konsequenzen zu befürchten, weder unter haftungsrechtlichen noch unter strafrechtlichen Aspekten. Dies gilt auch dann, wenn durch fehlerhafte Entfernung ein Schaden verursacht wird (z. B. Entzündung, weil der Kopf der Zecke stecken bleibt). Die Erzieherin/ der Erzieher unterliegt insoweit einem Haftungsprivileg*.

Auf der folgenden Seite befindet sich eine mögliche Anlage zum Betreuungsvertrag als Kopiervorlage. In der vorgeschlagenen Weise können alle denkbaren Handlungsalternativen im Hinblick auf das Entfernen einer Zecke im Vorfeld mit den Sorgeberechtigten abgestimmt werden. Der Text ist als Vorschlag zu verstehen – jede Einrichtung ist in der Ausgestaltung der Vereinbarung frei.


Sabine Ernst
Referat Rechtliche Grundlagen der Prävention der DGUV
Email: redaktion@dguv-kinderkinder.de

*Haftungsprivileg: Unter besonderen Umständen (die vom Gesetz, kraft Verordnung oder durch Vertrag festgelegt sind) gilt nur eine beschränkte Haftung, d. h. nicht „jeder Fehler“ begründet eine Haftungsverpflichtung. Beispiele: Schenker, Verleiher, Ehegatten untereinander und auch Personen, die in einer Gefahrensituation Hilfe leisten, haften nur für die Schäden, die durch vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten verursacht werden. Sie haften nicht bei „einfacher oder normaler“ Fahrlässigkeit – im Hinblick auf diesen Haftungsmaßstab greift also ein Privileg. « zurück zur Übersicht

Umgang mit Zeckenstichen

Beim Umgang mit Zeckenstichen herrscht in vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen häufig Unsicherheit.

Die Information der DGUV "Zeckenstich - Was tun?" finden Sie hier

Eine Kopiervorlage zum Thema: Zeckenentfernung finden Sie hier
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