oben

Sicherheit

Mit Risiken bewusst umgehen


picture alliance/Westend61
In der Kita treffen beim Thema „Umgang
mit Risiken“ häufig kontroverse Auffassungen
aufeinander.

Bei den Eltern steht meist der Wunsch nach absoluter Sicherheit
und Unversehrtheit im Zentrum – der Bildungsauft rag der
Kitas sieht dagegen vor, dass Kinder fürs Leben fi t gemacht und
entsprechende Risikokompetenzen gefördert werden.
Sind dies wirklich zwei unterschiedliche Ansätze oder liegen
sie nicht bei genauer Betrachtung sehr dicht beieinander?

Kinder schützen
Pädagogische Fachkräft e tragen die Verantwortung für die
Sicherheit der Kinder. Dieser Verpflichtung kommen sie
unter anderem durch ihre Aufsichtspflicht nach und sorgen
so dafür, dass sich die Jungen und Mädchen während des
Kita-Aufenthalts nicht verletzen. Dabei richtet sich die Aufsicht
nach verschiedenen Faktoren wie

• dem Alter der Kinder,
• den Rahmenbedingungen in der Kita,
• den möglichen Gefährdungen, die dabei auft reten können,
• der Art der Aktivitäten.

So bekommt die Aufsichtspflicht zum Beispiel bei einem
Schwimmbadbesuch einen ungleich höheren Stellenwert als
bei Alltagsaktivitäten in der Kita selbst. Um alle möglichen
Risiken im Voraus zu kalkulieren und die Aktivitäten entsprechend
zu planen, ist eine Gefährdungsbeurteilung das
Mittel der Wahl. Hierbei wird der Ablauf genau durchdacht und
überlegt, wo mit den größten Gefährdungen zu rechnen ist und
wie diese ausgeschlossen bzw. minimiert werden können.
Ziel ist es immer, die Kinder vor möglichen körperlichen und
seelischen Schäden zu bewahren. Für den baulichen Bereich
gibt es deshalb auch die Spielplatznormen und die Anforderungen
an Bau und Ausstattung von Kitas – sie schaff en sichere
Rahmenbedingungen für die Bildungsarbeit der Erzieherinnen
und Erzieher.

Kinder stärken
Genormte Spielplatzgeräte oder Anforderungen zur Gestaltung
von Hochebenen stehen jedoch dem pädagogischen Ziel,
Kinder zu befähigen, Risiken abzuschätzen und Verantwortung
für die eigene Sicherheit zu übernehmen, nicht entgegen.
Wichtig ist, dass die Situationen, in denen die Kinder lernen
sollen, mit Risiken umzugehen, im Vorfeld gut durchdacht
werden. Doch wie erreicht man die richtige Mischung aus
Sicherheit und Risiko? Die Antwort lautet: durch sogenannte
„kalkulierbare“ Risiken bzw. Wagnisse. Hierbei wird das
Scheitern einer Handlung – also zum Beispiel der Sturz vom
Klettergerüst – bewusst mit eingeplant. Denn Fehler gehören
zum Lernprozess dazu. Wichtig: Die angebotenen Risiken
sollten von den Kindern grundsätzlich zu bewältigen sein. Um
Verletzungen zu verhindern, müssen die Rahmenbedingungen
vor allem altersangemessen sein. Kleinstkinder unter drei
Jahren benötigen zum Beispiel besondere Aufsicht und eine
andere bauliche Ausstattung als ältere Jungen und Mädchen.

Das richtige Maß finden
Je sicherer das Umfeld, in dem Kinder sich aufh alten, umso
mehr werden die pädagogischen Fachkräft e in ihrer Aufsichtspflicht
entlastet – umso weniger gibt es aber vielleicht für die
Kinder zu entdecken. Deshalb sollten unbedingt auch Räume
aufgesucht oder angeboten werden, die „ungenormt“ oder
neu sind, denn gerade diese bieten viele Lernmöglichkeiten
für Kinder. Es kommt nur auf eine gute Planung an!

Sollte es trotz aller Maßnahmen zu einem Unfall kommen,
muss keine pädagogische Fachkraft Angst vor Vorwürfen oder
rechtlichen Konsequenzen haben, denn sie kann ihr Handeln
pädagogisch begründen – schließlich gibt es keine hundertprozentige
Sicherheit. Dennoch sollten Unfälle nicht billigend
in Kauf genommen werden. Dies würde das Risiko zum Selbstzweck
machen und zur Leichtfertigkeit animieren. Damit wären
Kinder großen Gefahren ausgesetzt, die sie selbst noch nicht
einschätzen können. Fazit: Kalkulierbare Risiken und Wagnisse
gehören ebenso zu einer kindgerechten Sicherheitsförderung
wie technische und organisatorische Maßnahmen.
Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist wichtig, um
für die gesunde Entwicklung der Kinder das richtige Maß an
Sicherheit und Risiko zu fi nden. Ihr zuständiger Unfallversicherungsträger
unterstützt Sie gern dabei.



Annette Kuhlig,
Stellvertretende Leiterin des Sachgebiets Kita der DGUV und
Aufsichtsperson der Unfallkasse Berlin
redaktion@dguv-kinderkinder.de « zurück zur Übersicht

Umgang mit Zeckenstichen

Beim Umgang mit Zeckenstichen herrscht in vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen häufig Unsicherheit.

Die Information der DGUV "Zeckenstich - Was tun?" finden Sie hier

Eine Kopiervorlage zum Thema: Zeckenentfernung finden Sie hier
.Mehr lesen

Leserservice

| Bild: |


Aboänderungen: Adresse, Ansprechpartner, Bezugsmenge, Probehefte

Mehr lesen

Broschüren und Themenhefte

| Bild: Themenheft Arbeitsorganisation | Hier finden Sie Broschüren und Themenhefte zur Sicherheit und Gesundheit in Kitas. Neben den regulären Ausgaben werden Themen darin monothematisch aufbereitet. Sie geben praktische Tipps und Anregungen für den Alltag.

Mehr lesen